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Ars Moriendi - Die Kunst des Sterbens


"Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluss und das Meer eins sind. In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits. Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling. Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen."

Khalil Gibran


Ars Moriendi - die Kunst des Sterbens - ist die ganzheitliche Wegbegleitung, wenn es um Abschied, Bestattung und Trauer geht.  


Den letzten Abschied kreativ und individuell gestalten. Dafür nutze ich verschiedene Rituale, die ich bei jeder Begleitung gemeinsam mit den Angehörigen neu entstehen lasse. Es geht mir darum, diesen Abschied zu begreifen, die Kraft der Trauer zu spüren und dem Toten den Übergang zu erleichtern – denn das erleichtert auch den Lebenden das liebevolle Loslassen!


Meine Überzeugung: Nichts von all dem, was ein Mensch ausgemacht hat, geht verloren. Seine Art, sein Lachen, seine Zärtlichkeit, aber auch seine Schmerzen und seine Tränen sind nicht umsonst gewesen und bleiben für immer eingeprägt in das ewige Gedächtnis der Schöpfung. Ich vertraue darauf, dass kein Mensch im Tod ins Nichts fällt! Der Tod ist nicht die Vernichtung unseres Wesens, sondern ein Übergang und ein Ankommen.


Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen-
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält. 

Rainer Maria Rilke 1875 - 1926



Als freischaffender Pfarrer, konfessionsfreier Seelsorger und Bestatter sehe ich im Tod weder den knochigen Sensemann, noch den dunklen Fährmann „Charon“ aus der griechischen Mythologe.

Vielleicht gleicht der Tod viel eher einem zärtlichen Engel, der unsere Lieben an der Hand nimmt und liebevoll auf dem Weg ins Licht begleitet. In jenes Licht, wo es keinen Schmerz, keine Tränen und kein Leid mehr gibt.


Ars Moriendi - eine solche "Kunst" gab es tatsächlich vor einem halben Jahrtausend.

Damals - als Hunger, Pest, Krieg und Krankheiten das Leben bedrohten und den Menschen manchmal täglich das „memento mori“ (Gedenke, dass du sterblich bist) vor Augen führte, diente diese Kunst dazu, sich mit dem eigenen Tod zu befassen. Wenn man lernte mit dem eigenen Tod zu befassen, führte dies letztlich auch zu einer Klärung und Intensivierung des Lebens.

So hingen die „Kunst des Sterbens“ immer auch mit der „Kunst des Lebens“ (Ars vivendi) zusammen - damals wie heute!



"Was dem Leben einen Sinn verleiht, gibt auch dem Tod Sinn".
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), Pilot u. Schriftsteller